Studentischer Tagungsbericht (Köln, April 2023)

Studentischer Tagungsbericht (Köln, April 2023)

Verfasst von Josh Joseph Ramminger (Humboldt University Berlin), Gianluca di Blasi (Universität zu Köln), Janis Müller (Universität Heidelberg) und Julian Meergans (Universität zu Köln)

Vom 26. bis 28. April fand im historischen Schloss Wahn in Köln eine dreitägige Kollegwerkstatt statt, zu der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Philosophie und Psychologie sowie externe Interessierte zusammenkamen. Diese Zusammenkunft wurde durch die AGPP-Tagung „Erfahrung und Empirie“ im vergangenen September angeregt, bei der deutlich wurde, dass es Potential für eine transdisziplinäre und empirische Zusammenarbeit gibt. Infolgedessen war es naheliegend, Philosoph*innen und Psycholog*innen in einen vertiefenden Dialog zu bringen und erste Schritte auf dem Weg eines gemeinsamen Forschungsprojektes zu entwerfen. Dies war das Ziel der Tagung „Wie kann philosophische Psychologie empirisch Forschen?“.

Hannes Wendlers und Alexander Nicolai Wendts Eröffnungsvortrag gab einen historischen, systematischen und szientometrischen Überblick über die philosophische Psychologie sowie ihre Fragen, Probleme und Potentiale. Die darauffolgende Moderation und thematisch anschließende Sitzung wurde von Jörg Disse moderiert. Ruben Ellinghaus Vortrag zeigte anhand der Zeitforschung der Psychophysik, wie psychologische Erklärungen und Theoriebildung funktionieren können. Ellinghaus griff etwa auf die Philosophie der New Mechanists zurück. Die anschließende Sitzung wurde von Hannes Wendler moderiert. In ihr galt es Vorwürfe der Philosophie an die Psychologie und andersherum zu benennen. Hierbei kamen das Verhältnis der Disziplinen zu ihrer Geschichte, die Methodologie sowie die Möglichkeit von Wissen a priori zur Sprache. Beispielhaft für die unterschiedlichen Zugang zur Thematik seien Antworten auf die Fragen danach genannt, welche Personen auf paradigmatische Weise Philosophie und Psychologie verbunden haben. Die Antworten reichten von Borsboom und Skinner über Platon bis zu Dostoyevsky und Freud. 

Den Anfangspunkt des zweiten Tages setzte Stefan Radevs Reflexion auf die Verhältnisse von Simulationsmodellen und Erklärungen in der Psychologie. Vor dem Hintergrund einer Zunahme an simulationsbasierter Optimierung psychologischer Modelle reflektierte Radev die Fragen, ob wissenschaftliche Modelle, wie es Baudrillard für Repräsentationen beschrieben hat (vgl. 1981), ihre Referenten verlieren könnten. Radev diskutierte methodische und theoretisch-psychologische Möglichkeiten dies zu verhindern, etwa Marrs (1982) Analysestufen. Daran schloss sich eine Sitzung zur philosophischen Kritik an der Psychologie an. Diese wurde von Steffen Kluck moderiert. Reflektiert wurden etwa die psychologische Methodik oder ihr Umgang mit ihrer eigenen Geschichte. Anschließend legte Dietrich Dörner in seinem Vortrag einen Entwurf einer theoretischen Psychologie vor. Dieser verknüpft historische, politische und simulationsbezogene Zugänge zu Dörners Gegenstandsverständnis der Psychologie. Gegenstand der Psychologie ist eine aristotelisch verstandene Seele. Den Abschluss des zweiten Tages bildete eine von Josh Ramminger moderierte Sitzung zur psychologischen Kritik an der Philosophie. Hierbei wurde etwa das Verhältnis von Wissen a priori und posteriori diskutiert.  

Den Auftakt des dritten Tages bildete Beate Krickels Vortrag zur möglichen Rolle der Philosophie als Mediatorin für innerpsychologische Diskurse. Der Vortrag exemplifizierte diesen Ansatz am Beispiel der sogenannten “unbewussten Wahrnehmung”. Krickel schlug vor, diese Rede so zu verstehen, dass sie sich aus der Ähnlichkeit von Instanziierungsmechanismen unbewusster Wahrnehmung und denen bewusster Wahrnehmung ergebe. 

Danach behandelte Erik Dzwiza-Ohlsens Vortrag die Themen Indexfähigkeit und Demenz. Dzwiza-Ohlsen zeigte auf, wie von der phänomenologischen Psychopathologie der Demenz ausgehend ein diagnostisches Tool der Indexfertigkeit von Patient*innen mit demenziellen Erkrankungen entstehen könnte. Anschließend wurden die Sitzungen zur Themenfindung und Aufgabenverteilung von Alexander Wendt und Ruben Ellinghaus moderiert. Dabei fanden sich unterschiedliche aussichtsreiche Projektinitiativen, etwa zur Theorie- und Modellbildung, zur psychedelischen Psychotherapie oder zum Dynamic Decision-making.   


Die genannten Beispiele zeigen das Potential der Tagung, in ein empirisches Forschungsprojekt zu münden. Die Umsetzung hängt davon ab, ob das Momentum der Werkstatt über sie hinauswirkt. Daher seien die Leser*innen dieses Berichts angesprochen, sich für die Umsetzung eines Projektes ihrer Wahl zu engagieren. Aber auch darüber hinaus machten die Diskussionen allen Teilnehmenden bewusst, dass weder die disziplinäre Trennung von Philosophie und Psychologie noch ihre interdisziplinäre Verbindung selbstverständlich sind. Für die nächste Kollegwerkstatt sollten sich alle Interessierten mit dem Problem konfrontieren, dass die Vermittlung untereinander stellenweise ihre Hemmungen hatte. Sind die eigenen Vorstellungen zu eng? Erwartet man zu viel? Vereinigt man stellenweise Unvereinbares? Trennt man Untrennbares? Denn letztlich arbeiten wir alle im Interesse derselben Frage: Wie kann philosophische Psychologie empirisch Forschen?

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